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Angst existiert bestimmt nicht einfach so, um uns das Leben schwer zu machen. Sie hat, denke ich, eine wichtige, positive Funktion: Uns möglichst lange am Leben zu erhalten. Aber wie das eben mit allen Dingen im Leben ist: Zuviel davon und schon wird der positive Effekt aufgehoben bzw. ins glatte Gegenteil verkehrt... Zitat:
Aber genau dieselbe Angst hat auch - sogar vorher deutlich erkennbare - "Erfolgserlebnisse" verhindert. Die Medaille hat eben immer zwei Seiten... |
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Ich brauch kein "sportlich", "Marathon", Fundamentalisten", "Dehydrierungs"geschwafel, sondern ich wollte wissen, was "normale" bzw. "krankhafte" Angst ist. Die Worte stammen ursprünglich von dir, und ich wollte lediglich erreichen, dass wir hier das gleiche meinen, wenn wir über etwas diskutieren. Zitat:
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Wobei ich mit dem Begriff "Glück" da weniger was anfangen kann; ich persönlich würds durch "Ehrlichkeit" und "Arbeit " (an sich selbst) ersetzen. |
"Angst essen Seele auf" (oder so ähnlich heisst ein erfolgreicher Roman))
Es hat mich nicht gestört - lediglich verwundert :rolleyes: - das gerade ihr beide in euren ersten Komm´s in diesem topic "Angst" mit "Schiß haben" gleichgesetzt habt. Aber ich freue mich über den Umstand, dass wir m.M. nach jetzt tiefer in dieses Thema einsteigen.
@ Kamantun Zitat:
In einem meiner Kommentare habe ich die "Todesangst" eines Soldaten angesprochen. Das er <Angst> haben darf & muss ist ja wohl unumstritten. Als Kriegsdienstverweigerer - ohne Familie und auf einem warmen Sofa sitzend - erlaube ich mir dennoch diese Angst zu interpretieren. Welche Motivation lässt ihn seinen Scheissjob weiterhin durchstehen ? Die Angst vor dem Tod oder die Sorge (=auch Angst) um seine Frau und seine Kinder ? Ich hoffe du erkennst den mir so wichtigen Unterschied in der Betrachtungsweise ? "Angst haben" und "Schiss haben" sind für mich zwei unterschiedliche Gefühle. Die Angst um meine eigene Haut kann ich bekämpfen - die Angst um das Wohlsein meiner Lieben ist unbesiegbar. Ein ganzer Wulst von neuen Gefühlen geht mit dieser Angst einher: Sorge, Liebe, Verantwortung und Sehnsucht mögen die stärksten davon sein...? @ Maxx Richtig. Ich schulde dir meine persönliche Definition von "normaler" und "krankhafter" Angst. Wie du weisst habe ich beruflich mit alten kranken dementen Menschen zu tun. Irgendwann prägt sich in diesem Krankheitsbild fast immer ein "innerer Umbruch" heraus. Diese Phase wirkt sich besonders belastend auf meine Arbeit aus. Die Alten "ahnen" das irgendetwas in ihrem Leben nicht mehr so ganz stimmt und konzentrieren all ihre verbliebene Energie darauf, diese persönlichen "Manko´s" mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auszugleichen. Auf der einen Seite leiden sie darunter, morgens im eingekoteten Bett und einer Urinlarche aufzuwachen, andererseits verweigern sie aber auch Hilfe bei der täglichen Körperpflege. In solchen Momenten bin ich genötigt meine "pflegerische Kompetenz" herauszukehren und auch gegen den Willen meiner Jungs & Mädels den Waschlappen zu schwingen. Sie wissen das sie Hilfe benötigen - haben aber Angst davor dies öffentlich einzugestehen und diese Hilfe auch anzunehmen. Meine KollegInnen nennen das dann "angewandte Grundpflege" - ich nenne es "Brechen von Persönlichkeit". Was mich immer wieder tief erschüttert ist der Umstand, dass es mir unmöglich ist, meinen Jungs & Mädels die Angst zu nehmen ! Das ist wirklich so. Vielleicht denkst du in diesem Moment an den Begriff "Schamgefühl" ? Dieses Unwort wird unseren Auszubildenden <eingeimpft>; damit sie guten Gewissens die Angst unserer Alten nicht so deutlich zu spüren vermögen. Die Angst meiner Alten ist nicht der Tod, sondern das Leiden. Gilt das auch für uns ? |
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Ich sehe/verstehe nicht so ganz, wo die Unterschiede zwischen "Angst haben" und "Schiss haben" liegen sollten. Sind das für Dich zwei völlig verschiedene Gefühle oder reden wir hier doch nur von unterschiedlichen Intensitäten ein- und desselben Gefühls, bzw. Zustandes? Zitat:
Warum wohl? Ich denke mal, aus genau demselben Grund, weswegen wir auch heutzutage immer noch vielerlei Verhaltensweisen an den Tag legen, die - zumindest in dieser Hemisphäre - wenig bis keinen Überlebensnutzen mehr haben: Weil unserer genetisches Erbe, welches die Grundlagen unserer Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Triebe über einen Zeitraum von sehr vielen Jahrtausenden entwickelt hat, mit dem derzeitigen Entwicklungstempo der (westlichen) Menschheit nicht so ganz mithalten kann. Und so werden - im Guten wie im Schlechten - die einstmals als Überlebenshilfe bzw. für den Fortbestand der Art notwendigen Triebe, Bedürfnisse und Verhaltensweisen vom modernen, westlichen Menschen (der sich ja genetisch nicht der Rede wert bspw. von seinem Naturvolk-Pendant im Urwald Südamerikas unterscheidet), in sein, im Vergleich, völlig ungefährdetes Dasein mitgenommen - und seien sie im ursprünglichen Sinne auch noch so überflüssig... So verhält es sich mit dem Sex, den wir (mehrheitlich) nicht mehr deshalb praktizieren, weil wir einem naturgegebenen Trieb zum Zwecke der Arterhaltung nachgeben. Vielmehr haben wir den Trieb und den damit verbundenen Spaß bei der Befriedigung dieses Triebes selbst zum Zweck erklärt. (Positives Beispiel, weil Spaß bringend - ...ok...realistischer formuliert: WENN es denn im Einzelfall Spaß bringt...;) ) Und so ist es eben auch mit der Angst. Westliche Menschen sind im allgemeinen nicht mit unmittelbaren Gefährdungen für Leib, Leben und Fortpflanzung bedroht und trotzdem haben/entwickeln sie jede Menge Ängste, die sich von der Intensität her kaum von denjenigen Menschen unterscheiden dürften, welche im australischen Hinterland, Afrika oder Südamerika als Naturvölker Tag für Tag um´s nackte Überleben kämpfen müssen. (Wenn sich Letztere solch intensive Ängste überhaupt erlauben können/Zeit dafür finden...wohl eher nicht...) Die Sache ist die: Wir kommen mit Ängsten auf die Welt und wenn diese Ängste keine Entsprechungen fnden - dann schaffen wir uns halt welche. Und darin sind wir verdammt gut. :( (Im Übrigen auch im weiterverbreiten dieser Ängste - kommerziell motiviert oder auch nicht...) Zitat:
Am Anfang der unmittelbaren Kampfhandlungen steht nur die Angst um´s nackte Überleben. Zeit, um an die liebe Familie daheim zu denken, gibt´s da einfach keine, wenn einem die Kugeln um die Ohren fliegen. Wenn man diese ersten Kriegserlebnisse an der Front seelisch einigermaßen überstanden haben sollte, gibt es sicherlich Gedanken an die Geliebten zu Hause - wobei Liebe und Sehnsucht wohl die vorherrschenden Gefühle sein werden; Sorge und Verantwortung sind in Zeiten eigener, unendlicher Qualen wohl eher, ähm...unwahrscheinlich? Phase zwei (die natürlich auch SOFORT eintreten kann), ist dann die der körperlichen und/oder seelischen Total-Erschöpfung; schwer verwundete und tote Kameraden und Feinde zuhauf. Man hat selbst Menschen getötet und der Feind hat Menschen getötet, die man gut kannte; mit denen man befreundet war, die man mochte... Man hat keine Angst mehr vor dem eigenen Tod. Man verspürt gar nichts mehr. Man ist leer - und marschiert auf Befehl dem Feind entgegen. Und Du meinst also, in solch einem Zustand der körperlich wie seelischen Abgewracktheit wäre man mehr als nur ein völlig willenloser Automat, der jeden Befehl als Abwechslung empfindet und den Tod eher sucht als fürchtet; und man würde vielmehr an die Lieben daheim und an deren Sicherheit und Wohlbefinden denken, und daraus eine Motivation schöpfen, weiterzumachen?? |
Die kognitive Angsttheorie betont, dass die emotionalen Konsequenzen aus der Informationsverarbeitung eines Menschen zu Angst führen können. Angst entspricht dann dem "Wegfall interner Kontrolle" (J. B. Rotger) oder "gelernter Hilflosigkeit" (E. P. Seligman). Angst ist also Folge eines Kontrollverlustes durch Fremdheit, Ungewissheit, Verlassenheit oder die Vorwegnahme von Gefahr???
@Crunchy meinste mit "Schiss" und Angst das: Der abendländische Kirchenvater Augustinus (354-430 nach Christus) unterschied die niedrige Furcht vor Strafe von der höher bewerteten Furcht vor Schuld aus Ehrfurcht vor Gott? Auch das finde ich sehr interessant: Für den deutschen Existenz-Philosophen Martin Heidegger (1889-1976) war Angst eine Grundbefindlichkeit, in der das Dasein auf sich selbst zurückgeworfen wird. In der Angst eröffnet sich der Existenz ihre Endlichkeit und ihre Nichtigkeit, denn der Mensch empfindet das Dasein als "Sein zum Tode". @Kamantun Angst kann Menschen belasten und sogar psychisch ruinieren. Sie ist aber wegen ihrer Warnfunktion oft lebensrettend. Angst überkommt den Menschen meist unfreiwillig und unkontrolliert. Eine Ausnahme ist die Angst als Lust, der sich Menschen freiwillig aussetzen, sei es auf der Achterbahn oder beim Schauen eines Horrorfilms. Die Emotionspsychologie unterscheidet zwei Bedingungen der Angst: Manche Menschen bekommen aus übergroßer Ängstlichkeit Angst. Andere verspüren Angst in einem Moment tatsächlicher, akuter Bedrohung. Ist die Angst so unangenehm weil sie unkontrollierbar(?) ist? |
@Ayla
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Angst ist vielmehr deswegen so unangenehm, weil das ihre Funktion so zwingend voraussetzt. Wären Angstgefühle angenehmer Natur, würden wir alles dafür tun, möglichst oft in Situationen zu kommen, die uns (potentiell) Schaden zufügen können. Das wäre schlicht eine Umkehrung der eigentlichen, ursprünglichen Funktion von Angst - und im evolutionären (Überlebens-)Sinne sehr kontraproduktiv. |
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Und was ist mit der Ausnahme die Angst als Lust, der sich Menschen freiwillig aussetzen, sei es auf der Achterbahn oder beim Schauen eines Horrorfilms? Der dänische Theologe Sören Kierkegaard (1813-1855) betrachtete die existenzielle Angst als Wesensmerkmal menschlichen Denkens und der Willensfreiheit. Im Sprung in den Glauben soll laut Kierkegaard die Angst überwunden werden. |
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Aber dieses "braucht keiner" ist auch nicht ganz richtig - die Betroffenen brauchen diesen Schutz ja ganz offensichtlich. Und für sie stellt sich nicht die Frage, wie irrational ihre Ängste und wie nichtig, übertrieben oder imaginär die befürchteten Gefahren aus der Sicht von Außenstehenden sind: Für sie selbst sind sie sehr real. Zitat:
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Wer wirklich Angst vor einer Achterbahnfahrt hat (und solche Menschen gibt es), wird mit einiger Sicherheit keine machen. Zitat:
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Allerdings muss man dazu wissen , daß sein Vater als Kind des Nachts in der Kälte die Schafe hüten musste. Als er 12 Jahren alt war, verleitete ihn dies einmal dazu, Gott zu verfluchen. Von dort an litt er unter der Psychose, nun in die ewige Verdammnis zu müssen. Mit dieser Psychose ausgestattet, machte er später seine gesamte Familie verrückt. Die Philosophie Kierkegaards ist ein Produkt dieser psychotischen Familienverhältnisse. ;) DAS verleitet mich dazu noch einmal zu fragen ob Angst angeboren ist oder in der heutigen Zeit doch vielleicht nur eine anerzogene Begleiterscheinung? Ist Angst nur eine physische Reaktion, wie Platon oder Aristoteles es bezeichneten? DAS würde wiederum erklären warum sich das Wort "Angst" vom griechischen Verb "agchein" und dem lateinischen "angere" ableitet. Beides heißt übersetzt "würgen", "die Kehle zuschnüren". In der Psychologie wird zwischen Angst als Zustand (state anxiety) und Angst als Eigenschaft (trait anxiety) unterschieden. Während die Zustandsangst eine vorübergehende Emotion infolge einer realen Gefahr ist, führt die "trait anxiety" dazu, daß Situationen auch ohne akute Bedrohung als gefährlich eingeschätzt werden. Wie kann ich das denn nun in der Praxis unterscheiden??? Wie soll ich denn nun meine Angst SUBJEKTIV betrachten? Du hast mich anfangs nach Schuld gefragt. "Schuld haben" ist doch etwas was uns eingeprägt wird, oder? Gibt es EMOTIONELL einen Unterschied? "Ich habe Angst Schuld zu haben". Ist das trennbar? |
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Das Problem bspw. bei Depressionen ist ja nicht nur (oder vielleicht gar nicht?), dass man ein anderes, besseres, schöneres Leben vor Augen hat und einem einzig die Mittel zur Umsetzung fehlen, sondern das jedes andere, veränderte Leben einem durch die Depressionsbrille betrachtet genau so grau und leer und letztlich unwünschenswert vorkommt. Also ein Teufelskreis aus Nichtwollen und Nichthandeln... Zitat:
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Aber um erst einmal dafür bereit zu sein, sich seinen Ängsten auf die "schmerzhafte Tour" zu stellen, muss das Verhältnis zwischen momentanen Leiden (durch die Ängste verursacht), erwarteten Leiden (durch die Konfrontation mit diesen Ängsten), und erwarteten künftigen Wohlbefinden (ohne diese Ängste) stimmen. Und für manch einen/eine stimmt dieses Verhältnis nie. (Um ein einfaches Beispiel zu bringen: Ich habe seit ich denken kann eine Klaustrophobie. Trotzdem würden mich keine zehn Pferde dazu bringen, eine Therapie zu machen, in deren Verlauf ich in Fahrstühle steigen muss, die irgend wo (kontrolliert) angehalten werden. Dazu leide ich einfach "nicht genug" unter dieser Phobie.) Zitat:
Das hat, denke ich, weniger mit "Lust an der Angst" zu tun, als vielmehr mit der Vermeidung von Unlustgefühlen, welche die Ängste in bestimmten Situationen hervorrufen. Zitat:
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Und was dann bei all den möglichen Entwicklungen am Ende konkret bei "rumkommt", wird durch die Umwelt beeinflusst bzw. festgelegt. Zitat:
Was nutzt Dir also diese Unterscheidung? Zitat:
Schuldgefühle halte ich nicht automatisch für Angstgefühle. Aber sicherlich gehen oftmals Angstgefühle damit einher. Angst vor gesellschaftlicher Ächtung bspw... |
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